Adrienne Braun

 

Die Schichten der Seele

Zu den Porträts von Janina Roider

Elvis, Marilyn, Amy – die Vornamen genügen, schon werden vertraute Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis abgerufen. Marilyn, die Blondine mit flatterndem Rock, Amy, die abgestürzte Soulqueen. Aber lassen die medialen Bilder, die Mythen konstruieren, tatsächlich auf das Wesen eines Menschen schließen? Die malerische Antwort von Janina Roider ist eindeutig: Nein. Die junge Münchner Malerin, die in Glasgow studiert hat und heute Meisterschülerin von Günther Förg ist, beschäftigt sich ausschließlich mit der klassischsten Gattungen der Bildenden Kunst: dem Porträt. Sie malt Menschen aus ihrem Umfeld, vergängliche Superstars bis hin zu mythisch überhöhter Pop- und Filmprominenz.

Janina Roider will aber keineswegs reale Bilder in Malerei übersetzen, erst recht nicht die Persönlichkeiten über das Porträt charakterisieren und definieren. Im Gegenteil: ihre Malerei formuliert ein grundlegendes Misstrauen dem Abbild gegenüber. Janina Roider überträgt diverse fotografische Vorlagen schichtweise auf die Leinwand – und löst damit die vermeintliche Eindeutigkeit der Motive auf. Ihre oft dramatische, kraftvolle Malweise ist mal gestisch, mal kontrolliert und findet häufig in einem impulsiven Malakt auf dem Boden statt. Die haptische Qualität der Materie, die Präsenz der von Roider selbst gemischten Farbe macht die verschiedenen Gesichter des Ichs sichtbar. So gelingt es der Malerei, die Beschränktheit des fotografischen Porträts zu überwinden und die Komplexität und Vielschichtigkeit des Seins aufzuzeigen.

Autorin ADRIENNE BRAUN
Herausgeberin Charlotte Smudajescheck 2013

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