Autor: JaninaRoider

crowns_-001

Bild 1 von 100

Crown, Watercolour on Paper, 29 x 24 cm, Janina Roider 2014

Daniela Baumann

UNTITLED (Ohne Titel)

Keinen, beziehungsweise einen Titel zu vergeben, der seine eigene Existenz verleugnet, geriet in der Kunstgeschichte der vergangenen 50 Jahre zu einer beliebten künstlerischen Geste, der sich auch Janina Roider in jüngster Zeit immer häufiger bedient.

Im Falle der 1986 in Dachau geborenen Malerin hat dies aber weder mit Faulheit noch mit Einfallslosigkeit zu tun, sondern mit einer bewussten Emanzipation von zu eng gesteckten Deutungsrahmen. Noch vor zwei Jahren wiesen Titel wie „Elvis“, „Amy“ oder „Marilyn“ den Betrachter darauf hin, welche Persönlichkeiten aus Geschichte und Popkultur Roiders Werke inspirierten. Inzwischen fehlen nicht nur diese Interpretationshilfen, auch der nun wesentlich höhere Grad der Abstraktion der Darstellung erschwert eine eindeutige Lesart.

Janina Roiders Umgang mit Werktiteln steht beispielhaft für ihren gesamten künstlerischen Werdegang. Während ihre intensive, bereits mehr als zehn Jahre andauernde Auseinandersetzung mit dem Genre der Porträtmalerei anfänglich noch durch eine sehr wirklichkeitsnahe und detailgetreue Malweise geprägt war, sind es heute oft nur wenige Details wie ein roter Mund, ein blonder Haarschopf oder Augen, die den Betrachter erahnen lassen, dass es sich tatsächlich um Porträts handelt. Den Impuls für diese Entwicklung gab ausgerechnet die Fotografie – genauer gesagt Roiders Interesse an der Frage, wie sich die Erfindung der Fotografie auf die Malerei auswirkte.

Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen“, urteilte der französische Schriftsteller Charles Baudelaire (1821-1867) Mitte des 19. Jahrhunderts über die damals noch sehr junge Technik des Lichtbildes. Mit der Fotografie war den Künstlern dieser Zeit plötzlich eine ganz neue Art von Vorlage zugänglich, gleichzeitig erschien deren malerische Reproduktion aber als obsolet. Ausgehend vom Impressionismus distanzierte sich die Malerei von der Fotografie, in dem sie sich zunehmend vom realistischen Abbild löste und Darstellungen hervorbrachte, welche die reale Vorlage zuerst leicht und dann später bis zur Unkenntlichkeit abstrahierten.

Es ist exakt dieser Grenzbereich, der Janina Roider reizt. Ihre Werke setzen sich mit der Frage auseinander, wie stark ein Bildnis reduziert werden kann, ehe das Objekt der Darstellung alle Figürlichkeit und Ikonizität verliert und nur noch indexikalisch interpretierbar ist. Die Künstlerin selbst deutet ihre Arbeiten als Antithesen zu den leicht konsumierbaren Bildern der zeitgenössischen Informations- und Medienwelt. Einer Flut gleich, überschütten diese Bereiche ihre Konsumenten täglich über soziale Medien, Werbung, Nachrichten, Zeitschriften und Filme mit Bildern, die aufgrund ihrer hohen Anzahl und Frequenz möglichst einfach zu deuten sein sollten, gleichzeitig aber aufgrund ihrer schieren Masse kaum mehr eingehend reflektiert werden. Die abstrakt-expressiven Porträts der Künstlerin zwingen den Betrachter zur längeren Einlassung und werden so zu Kontrapunkten im gegenwärtig üblichen Umgang mit Bildern.

Daniela Baumann, The Walther Collection

Herausgeberin Charlotte Smudajescheck 2016

 

Die Schichten der Seele

Zu den Porträts von Janina Roider

Elvis, Marilyn, Amy – die Vornamen genügen, schon werden vertraute Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis abgerufen. Marilyn, die Blondine mit flatterndem Rock, Amy, die abgestürzte Soulqueen. Aber lassen die medialen Bilder, die Mythen konstruieren, tatsächlich auf das Wesen eines Menschen schließen? Die malerische Antwort von Janina Roider ist eindeutig: Nein. Die junge Münchner Malerin, die in Glasgow studiert hat und heute Meisterschülerin von Günther Förg ist, beschäftigt sich ausschließlich mit der klassischsten Gattungen der Bildenden Kunst: dem Porträt. Sie malt Menschen aus ihrem Umfeld, vergängliche Superstars bis hin zu mythisch überhöhter Pop- und Filmprominenz.

Janina Roider will aber keineswegs reale Bilder in Malerei übersetzen, erst recht nicht die Persönlichkeiten über das Porträt charakterisieren und definieren. Im Gegenteil: ihre Malerei formuliert ein grundlegendes Misstrauen dem Abbild gegenüber. Janina Roider überträgt diverse fotografische Vorlagen schichtweise auf die Leinwand – und löst damit die vermeintliche Eindeutigkeit der Motive auf. Ihre oft dramatische, kraftvolle Malweise ist mal gestisch, mal kontrolliert und findet häufig in einem impulsiven Malakt auf dem Boden statt. Die haptische Qualität der Materie, die Präsenz der von Roider selbst gemischten Farbe macht die verschiedenen Gesichter des Ichs sichtbar. So gelingt es der Malerei, die Beschränktheit des fotografischen Porträts zu überwinden und die Komplexität und Vielschichtigkeit des Seins aufzuzeigen.

Autorin ADRIENNE BRAUN
Herausgeberin Charlotte Smudajescheck 2013

CV

Janina Roider

* 1986 in Dachau

2015 Diplom als Meisterschülerin von Prof. Günther Förg

2014 1. Staatsexamen Kunstpädagogik

2011 Bachelor of Fine Arts, Glasgow School of Art, UK

2006- 2015 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Günther Förg und Matthias Wähner

2005 Allgemeine Hochschulreife, Augsburg

Preise und Stipendien

2017- 2020 Atelierförderung der Stadt München

2015- 2020 Bayerisches Atelierförderprogramm

2008- 2015 Stipendium des Bundesbegabtenförderungswerk Ev. Studienwerks e.V. Villigst

2014
1. Preis Plakatwettbewerb, Internationale Kunstfestival in Toulouse
“Hommage an Günther Förg”
Atelierförderung Domagkpark, Stadt München

2012 Atelierförderung Otto- Steidle- Ateliers der Fondara Immobilien

2011 Meisterschülerin von Günther Förg

2010- 2011 Auslandsstipendium an der Glasgow School of Art, UK

2008 1. Preis „Junge Kunst 18- 28“, BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt

2007 Förderkalender der LFA, „Junge Kunst in Bayern“ 2008

 

Einzelausstellungen

2016 #Picoftheday, Galerie Smudajescheck, München

2016 Portraits, Deutsches Hopfenmuseum, Wolnzach

Neue Arbeiten, McDermott&Emery, München

2015 What we see is what we get, Galerie Evelyn Drewes, Hamburg

2014 Das kleine Format, Galerie Smudajescheck, Ulm

2013Ae farewell, alas for ever!” (R.Burns) , Galerie Smudajescheck, Ulm

 

Messen

2017 Art Karlsruhe, Galerie Smudajescheck

2016 Museum Villa Rot, Roter Kunstsaloon
Art Karlsruhe, Galerie Smudajescheck, Ulm

2015 Art Karlsruhe, Galerie Smudajescheck, Ulm

2014 Art Karlsruhe: One Artist Show Galerie Smudajescheck, Ulm

          Gruppenaustellung Galerie Kampl, München


2013
Preview Berlin Art Fair, Einzelpräsentation, Galerie Smudajescheck, Berlin

Art Karlsruhe, Galerie Kampl, Karlsruhe

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2015 IMA#GINE, Julia Beer, Thomas v. Poschinger, Janina Roider

2014 Klasse G. Förg/ M. Dornfeld, Galerie Matthias Jahn, München
Jahresgaben,
Galerie FOE, München
Off the Wall,
mit T. v. Poschinger u. J. Beer, Galerie Kampl, München
Irgendwo Dazwischen,
The Galley, Liverpool, England

Hommage an Günther Förg, Museum Les Abattoire, Toulouse, Frankreich

Vorschau- Rückblick, Galerie Kampl, München

2013 Gruppenausstellung, Künstler der Galerie Kampl, München

2012 Nichts ist aber bleibt, Klasse Förg, Cordonhaus,Cham

2011 Painting and Printmaking Part II, Newberry Gallery, Glasgow


2010
Bayern- Italien; Kunst des 20. u. 21. Jahrhunderts,
Deutsches Hopfenmuseum, Wolnzach

2009 Jetklasse Lisboa, Fábrica do Braço de Prata, Lissabon, Portugal

Figur und Raum – Malerei, mit Julia Winter und Haiying Xu,
Gartenhaus der Kunst, München
Meine Projektion ist größer heller und schneller als deine,
mit Susi Gelb und Nele Müller, Akademie Galerie, München

Bavarian Show, Munich – Los Angeles, Modern Art Gallery, Los Angeles

das wärs gewesen, Ausstellung von Studenten der Kunstakademie
München kuratiert von Via Lewandowsky, Akademie Galerie, München

2008 Junge Kunst 18-28, BBK Ingolstadt, Klenzepark

Ausstellung zum „Kunstpreis Gersthofen“, Ballonmuseum, Gersthofen

Gutes Amerika- Böses Amerika, Galerie Noah, Augsburg

“Altbau oder Neuland”, Neuland, München

2006 Das kleine Format, Kunstverein Aichach